Die neue Geschäftsführerin der bhw stellt ihre Ziele vor   I   Neugründung eines Inklusionsbetriebs

Nidda (pm). Die Behindertenhilfe Wetteraukreis (bhw) hat seit knapp vier Wochen eine neue Geschäftsführerin: Eva Reichert will die bhw zielstrebig weiterentwickeln zu einem modernen Sozialunternehmen, das im Wetteraukreis gut vernetzt ist.

Die Diplom-Betriebswirtin, selbst ein Wetterauer Urgestein, ist seit mehr als neun Jahren bei der bhw beschäftigt und hatte in den vergangenen vier Jahren bereits die Funktion der stellvertretenden Geschäftsführerin inne. Sie kennt die Behindertenhilfe und setzt sich für die Belange der Menschen mit Behinderung im der Gesellschaft und im Arbeitsleben ein. Zusammen mit dem ehemaligen Geschäftsführer Reinhold Medebach führte sie die bhw aus einer zwischenzeitlichen Finanzkrise hin zu einem heute gesunden, stabilen und qualitätsorientierten Unternehmen mit rund 350 Beschäftigten im gesamten Kreis. Doch steht die bhw durch gesetzliche Änderungen vor neuen Herausforderungen. „Das Bundesteilhabegesetz bringt die gewohnten Strukturen der Behindertenhilfe gehörig durcheinander“, erklärt Reichert. „Die veränderten Rahmenbedingungen anzunehmen, innovative Wege zu gehen und das Beste für unsere Kunden und die bhw daraus zu machen, ist eine meiner wichtigsten Aufgaben.“ 

Der Mensch im Mittelpunkt

Schließlich geht es bei der bhw nur um den Menschen: „Wir wollen erreichen, dass die Menschen mit Behinderung selbstbestimmt leben können. Dass sie am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilhaben können. Dass Inklusion nicht mehr nur Theorie ist“, betont die 51-Jährige. Deshalb läutet sie einen Paradigmenwechsel ein: „Nicht mehr die Gebäude, die Werkstätten, die Wohnheime stehen im Mittelpunkt, sondern allein die Person“, erklärt Reichert. „Bei der bhw wird jeder Einzelne individuell nach seinen Bedürfnissen und Wünschen beraten, begleitet und gefördert. Wir unterstützen die Menschen so, dass sie möglichst viel selbstständig erledigen und daran wachsen. Wir bereiten den Boden, auf dem der Mensch sich entwickeln kann.“ Dafür sollen die Angebote der Behindertenhilfe Wetteraukreis für Menschen mit Behinderung weiter ausgebaut werden. Und dafür braucht die bhw noch mehr qualifiziertes Fachpersonal. „Wir wurden vom Wetteraukreis als „Familienfreundliches Unternehmen“ ausgezeichnet und sind ein attraktiver, zuverlässiger Arbeitgeber in der Region“, wirbt die neue Geschäftsführerin.

Erster Inklusionsbetrieb im Wetteraukreis

Ein erster Schritt in Richtung neue Angebote ist bereits getan: Die bhw gründet den ersten Inklusionsbetrieb im Wetteraukreis. Der Aufsichtsrat hat grünes Licht gegeben, dass die „sauber!“ gGmbH im Herbst ihre Arbeit im Bereich der Gebäudereinigung aufnehmen wird. Das neu gegründete Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der bhw, bei der Menschen mit Behinderung dauerhaft auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Beschäftigung und berufliche Qualifizierung finden. „In Hessen gibt es über 50 solcher Inklusionsbetriebe, die durch das Integrationsamt gefördert werden- Im Wetteraukreis gab es bisher keinen. Das ändern wir nun“, erklärt Reichert. „Viele Menschen wollen nicht in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten. Sie wollen und können mehr leisten, wollen sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten und integrieren. Das unterstützen und fördern wir.“ Ein Weg dahin kann über einen Inklusionsbetrieb führen, in dem mindestens 30 Prozent der Beschäftigten schwerbehindert sind, der sich aber genau denselben Wettbewerbssituationen ausgesetzt sieht wie jedes andere Unternehmen auch.

Die Auftragslage der „sauber!“ gGmbH ist allerdings schon gesichert: Sie wird zunächst die verschiedenen Gebäude der bhw reinigen. Erst in einem zweiten Schritt, nach einer erfolgreichen Startphase, wird  die „sauber!“ gGmbH auch Aufträge von anderen Unternehmen und Privatpersonen annehmen. Auch ist später eine Ausweitung der Dienstleistungen z. B. in den Bereich der Gartenpflege geplant.