Dieser Sommer hat es in sich: Nach einem milden und sonnigen Frühling, füllt nun eine Schwemme an Obst die Bäume in der Region. In und um Ockstadt herum drehte sich in den vergangenen Wochen alles um eine leckere rote Frucht – die berühmten Ockstädter Kirschen wurden geerntet. Daran beteiligt war auch die Tagesförderstätte der Behindertenhilfe Wetteraukreis (bhw).

Pädagogische Arbeit

Celal Ertugrul kocht Kirschmarmelade.

In den Tagesförderstätten (TaFö) der bhw werden Menschen mit Schwerst- Mehrfachbehinderung, die nicht oder noch nicht in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten können, betreut und entsprechend ihrer Fähigkeiten individuell gefördert. Den Klienten wird unter anderem eine sinnvolle Beschäftigung angeboten, die den Tag einteilt. Eine feste Struktur ist dabei wichtig, sie gibt den Klienten Halt und hilft ihnen dabei, ihren Alltag zu bewältigen. Hier ist oft Kreativität gefragt: Bei den Aktivitäten soll jeder mit seinen jeweiligen Fähigkeiten mitmachen können. Sie sollen praktische Kenntnisse vermitteln und die Selbstständigkeit des Einzelnen stärken. Sie sollen das Sozialverhalten fördern und natürlich auch allen Spaß machen. All diese Anforderungen erfüllt ein Projekt der TaFö, das nun schon zum zweiten Mal durchgeführt wurde: Die Kirschernte.

Ernten und verwerten

In der Nähe der TaFö der bhw in Ockstadt hat Dieter Winkler, Leiter der Garten- und Landschaftspflege der bhw, ein Grundstück. Auf dem wachsen mehrere Obstbäume. Auch die berühmten Ockstädter Kirschen gibt es hier in Hülle und Fülle. Deshalb bot er der TaFö einen Ausflug zum Kirschenpflücken und -naschen an. „So eine Möglichkeit nehmen wir gern und dankend an“, sagt die Leiterin der Tagesförderstätten der bhw, Tina Schäb. Und so wurden die Kirschen zu einem Thema in der TaFö. Im Vorfeld der Ernte wurde das Obst theoretisch behandelt: „Wir besprechen mit den Klienten, welches Obst es zur Zeit gibt. Wie es jeweils wächst – in der Erde, an Sträuchern oder auf Bäumen. Wie lange das dauert. Wie das Obst aussieht und wie man es verwendet“, erklärt Schäb. Dabei stand die Kirsche natürlich im Mittelpunkt. So lernten die Klienten viel über das heimische Obst und die Vorfreude auf die Ernte wurde gesteigert. Schließlich machte sich eine Gruppe von TaFö-Klienten mit ihren Betreuern auf den Weg zu den Kirschen. Die Äste der Kirschbäum bogen sich unter ihrer Last nach unten, sodass jeder leicht an die leckeren Früchte herankam. Einen ganzen Vormittag lang pflückten und naschten die TaFö-Klienten nach Herzenslust. Am Ende waren alle satt und konnten ein schönes Erlebnis miteinander teilen.

Eine riesige Menge an Kirschen nahmen sie mit zurück in die Einrichtung. Dort verarbeiteten die TaFö-Klienten sie gemeinsam: Sie kochten Marmelade und stellten Kirschsaft her. Auch zum Naschen waren noch viele Kirschen für diejenigen übrig geblieben, die zur Ernte nicht mitgehen konnten. So hatten alle TaFö-Klienten etwas davon.