Die Regale sind voll. Alle Flaschen stehen in Reih und Glied, sind ordentlich sortiert und natürlich immer frisch. Dafür sorgt im Büdinger HIT-Markt ein besonderer Praktikant: Pawel Sczygiol ist ein Mensch mit Behinderung. Zwischen den Getränkeregalen fühlt er sich inzwischen sehr wohl.

Praktikumsplatz gesucht

Pawel Sczygiol ist ein eher ruhiger, schüchterner Typ. Man merkt ihm nicht an, dass er nicht den herkömmlichen Ausbildungsweg hinter sich hat, sondern nach der Schule in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung der Behindertenhilfe Wetteraukreis (bhw) untergekommen war. Dort merkte er schnell, dass er mehr leisten kann und will. „Ich hatte schon immer den Wunsch im Einzelhandel tätig zu sein“, so der 21-Jährige. Das sagte er auch seinen Bildungsbegleitern im bhw-Bildungshaus. „Wir konnten im Bildungsbereich schnell feststellen, dass Herr Sczygiol den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt machen kann. Ihn dabei zu unterstützen, ist unsere Aufgabe“, erklärt Bettina Kopp, Fachkraft für Berufliche Integration bei der bhw. Sie machte sich auf die Suche nach einem passenden Arbeitgeber für den jungen Mann. Verkauf sollte es sein. Wohnortnah, damit er mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zur Arbeit kommen kann. Ein aufgeschlossenes Unternehmen, dass die Chancen und Möglichkeiten sieht, die in der Beschäftigung eines Menschen mit Behinderung stecken. Fündig wurde die bhw beim HIT-Markt in Büdingen.

Die HIT-Handelsgruppe engagiert sich in der Dohle Stiftung, die sich dafür einsetzt, benachteiligten jungen Menschen eine Perspektive auf ein selbstbestimmtes Leben zu geben. Dass jeder eine Chance verdient hat, davon ist auch die Büdinger Marktleiterin Petra Germann überzeugt. „Pawel ist ein netter Kerl und ein zuverlässiger Mitarbeiter. Ich bin froh, dass wir ihm ein Praktikum ermöglicht haben“, sagt die Marktleiterin.

Im Berufsalltag angekommen

Marktleiterin Petra Germann zusammen mit Praktikant Pawel Sczygiol zwischen den Getränkeregalen.

Schon fast ein Jahr lang arbeitet der 21-Jährige nun in Büdingen. Der Anfang war ein wenig holprig. „Pawel redete nicht, das hat die Kunden irritiert“, erklärt Germann. Auch musste sie sich intensiver um ihn kümmern, als um andere Mitarbeiter. „Es hat länger als üblich gedauert, bis er sich eingewöhnt hatte. In dieser Zeit war ich froh über die Betreuung der bhw.“ Die Fachkräfte der bhw begleiten das Praktikum und unterstützen sowohl den Praktikanten als auch den Arbeitgeber. So können Fragen, die im Rahmen der Zusammenarbeit entstehen, meist schnell geklärt werden. Auch heute noch schaut Harald Kaufmann, Bildungsbegleiter der bhw, regelmäßig im HIT-Markt in Büdingen vorbei: „Inzwischen fühlt Pawel sich dort sehr wohl. Unsere Unterstützung ist gar nicht mehr von Nöten.“ Diese Einschätzung teilt die Marktleiterin: „Pawel ist angekommen. Er arbeitet sehr selbstständig und ist kommunikativer geworden. Er beantwortet die Fragen der Kunden oder zeigt ihnen, wo sie das Gesuchte im Regal finden. Auch bei den Kollegen kommt er gut an.“

Bei der Arbeit im HIT-Markt kann Pawel Sczygiol seine Fähigkeiten entfalten. Am häufigsten zu finden ist er zwischen den Getränkeregalen. Er füllt die Regale auf oder zieht die Getränke vor, sodass sie immer am Rand des Regals stehen. „Das sieht für den Kunden schöner aus“, erklärt der 21-Jährige. Gern arbeitet er auch in der Obst- und Gemüseabteilung: „Ich sortiere das Obst und das Gemüse, damit unsere Kunden immer nur frische Waren vorfinden.“ Pawel hat seinen Platz gefunden und nimmt am gesellschaftlichen Leben teil – das ist Inklusion.