Es duftete nach frischem Laugengebäck im Rathaus der Stadt Bad Nauheim. Auf Einladung des Ersten Stadtrates Peter Krank und des Bürgermeisters Klaus Kreß verkauften Klienten der Tagesförderstätte der Behindertenhilfe Wetteraukreis im Rahmen eines Sozialraum-Projektes Brezeln, die sie zuvor selbst gebacken hatten.

Backen, verpacken, verkaufen

Der Erste Stadtrat Peter Krank hatte den Brezelverkauf im Bad Nauheimer Rathaus ermöglicht.

Die Aufregung war groß am frühen Mittwochmorgen, bevor der Brezelverkauf startete. Über 100 Brezen mussten frisch gebacken und verpackt werden. Besonders die beiden Klienten, Jessica und Güray, die den Verkauf abwickeln sollten, freuten sich auf ihre Aufgabe. Rechtzeitig zur Frühstückspause, kamen sie mit den beiden Betreuern Melanie Schneider und Andreas Wilhelm im Bad Nauheimer Rathaus an – große Körbe mit Brezeln im Gepäck. Dort wurden sie zuerst einmal von Bürgermeister Klaus Kreß und dem Ersten Stadtrat Peter Krank begrüßt. Die beiden waren auch die ersten Abnehmer der leckeren Backwaren.

Beim anschließenden Gang durch das Rathaus traf die Gruppe auf viele Kunden, die sich über den Brezelverkauf zur Frühstückszeit freuten. Güray teilte die Brezeln aus, Jessica kassierte und verwahrte den Geldbeutel sicher. So hatte jeder seine eigene Aufgabe, die so gut bewältigt wurde, dass viele Mitarbeiter im Rathaus die bhw direkt zu weiteren Brezelverkaufen einluden.

Das Projekt wird analysiert

„Wir freuen uns sehr, dass wir hier in diesem großen Rahmen Erfahrungen für unser Sozialraum-Projekt sammeln konnten“, sagten die beiden Betreuer nach dem Verkauf. Melanie Schneider, Heilerziehungspflegerin, und Andreas Wilhelm, Erzieher, hatten die Idee für das Projekt Ende 2017 durch Hospitationen in einer anderen Einrichtung der Behindertenhilfe gewonnen und bei der bhw umgesetzt. Jetzt kommt das Projekt erst einmal auf den Prüfstand. Denn Sozialraum-Projekte haben den Zweck, die lebenspraktische Förderung für die Klienten in der Tagesförderstätte zu gewährleisten, einfache Arbeitsabläufe zu trainieren und gleichzeitig eine stärkere Teilhabe der Klienten außerhalb der Tagesförderstätte zu erreichen, also den bekannten Ort „Tagesförderstätte“ zu verlassen und auf fremde Menschen und unbekannte Situationen zu treffen. Für viele Menschen mit Schwerst-Mehrfachbehinderung ist das eine besondere Herausforderung, gleichzeitig aber auch sehr wichtig für die persönliche Entwicklung. „Wir haben zusammen mit unseren Klienten alle Arbeitsschritte und Abläufe vom Einkaufen der Rohware, über das Backen, Verpacken und letztlich die sozialen Gepflogenheiten beim Verkauf eingeübt. Dabei ging es zum Beispiel darum, feinmotorische Fähigkeiten zu stärken, Küchenregeln zu lernen und zu beachten, soziale Kompetenzen auszubauen“, erklärt Andreas Wilhelm.

Die Klienten, die bisher am Brezelverkauf beteiligt und jetzt auch im Rathaus dabei waren, hatten viel Spaß dabei. „Wir unterstützen Aktionen wie den Brezelverkauf der bhw selbstverständlich gerne. Unsere Mitarbeiter haben sich sehr über den „Frühstücksservice“ gefreut. Durch diese sinnvolle Aufgabe erhalten die Menschen mit Unterstützungsbedarf nicht nur mehr Lebensqualität, sondern auch Abwechslung im Alltag und die Möglichkeit, beim Verkauf zu erleben, wie und wo andere Menschen arbeiten“, betonten Bürgermeister Klaus Kreß und Erster Stadtrat Peter Krank in Bad Nauheim.