„Manchmal ist Liebe blöd.“ „Manchmal ist Liebe nicht so schön.“ „Manchmal ist Liebe wie ein Spiel.“ „Die Liebe ist wie ein Fieber.“ „Liebe ist wie ein Tanz.“ Zu diesen Ergebnissen kommen acht junge Menschen aus dem Berufsbildungsbereich der Behindertenhilfe Wetteraukreis (bhw), die sich im Rahmen des Theaterprojekts „Heartbeat“ mit der Liebe, mit Gefühlen und mit Beziehungen intensiv auseinander gesetzt haben.

An nur fünf Terminen innerhalb von zwei Monaten erarbeitete die Gruppe das Theaterstück „Bratpfanne der Gefühle“ zusammen mit der Theaterpädagogin Tabea Eifert. Die Akteure haben ihre eigenen Erfahrungen mit Gefühlen und wissen auch, wie es sich anfühlt, wenn es in einer Beziehung nicht gut läuft. Von den Schmetterlingen im Bauch, die einen tanzen lassen, bis hin zu Streit und trauriger Erinnerung arbeiteten sie eine Bandbreite unterschiedlichster Emotionen in das Theaterstück ein.

Jede Szene eine Situation mit der Frage: „Ist das Liebe?“

John macht Marie einen Heiratsantrag, beide sind glücklich. Bis Marie feststellt, dass John sie lieber als Dienstbotin denn als gleichberechtigte Partnerin haben will. Ist das Liebe?
Emily und Daniel streiten sich, die Situation ist vertrackt. Letztlich gesteht Daniel, dass er eine andere hat, und verlässt Emily. Die sucht Trost bei ihrer Freundin Marie: „Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Das ist keine Liebe. Oder?“
Freddy bedroht Janine, die ängstlich wirkt. Anschließend sieht man Freddy suchend und traurig. Seine Erinnerungen lachen ihn aus.
Cicely wird von DJ Dübel angemacht. Sie weist ihn zurück, aber er ist hartnäckig, akzeptiert kein „Nein“. Letztlich geht Cicely wütend. Doch DJ Dübel sagt nur: „Dann suche ich mir eben eine andere. Gibt doch genug.“

Vertrauen fassen, sich öffnen und Grenzen respektieren

„Bratpfanne der Gefühle“ zeigt, dass Gefühle widersprüchlich und kompliziert sein können. Dass es schwer sein kann, die eigenen Wünsche zu erkennen und durchzusetzen. Dass jeder sich selbst öffnen, aber auch die Grenzen seines Gegenübers akzeptieren muss. „Zu Beginn der Proben gab es viel Gelächter. Vor allem die Sprech- und Bewegungsübungen haben die Teilnehmer zunächst belustigt“, sagt Anja Balser, die als Bildungsbegleiterin der bhw das Projekt betreut hat. Schnell haben sie aber gemerkt, dass sie ganz unterschiedliche Ansichten von der Liebe haben, dass ihre Erfahrungen sehr verschieden waren. „Wir haben Berührungsängste abgebaut. Die ganze Gruppe hat Vertrauen zueinander gefasst und offen gesprochen und Erlebnisse miteinander geteilt“, erklärt Balser. Bei den Proben wurden die Perspektiven mehrfach gewechselt. Dadurch konnten die Akteure auch die Gefühlswelt ihres Gegenübers erkunden. Neben dem ein oder anderen „Aha-Erlebnis“ hatten die acht Teilnehmer auch viel Spaß. Und der Applaus, der ihnen bei der Uraufführung des Stückes beim Sommerfest der bhw entgegenbrandete, verdeutlichte ihnen, dass sich ihr Engagement gelohnt hat. Zur Erinnerung an das gemeinsame Projekt bekamen sie von der Bildungsbegleiterin ein Fotobuch, in dem die Proben und die Uraufführung verewigt sind.

Das Theaterprojekt wurde im Rahmen des Präventionsprojektes „Heartbeat“ vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises gefördert. „Heartbeat“ will mit kreativen Methoden Jugendliche motivieren sich mit ihren Gefühlen, Werten und Einstellungen im Hinblick auf Liebe, Partnerschaft, Männer- und Frauenrollen auseinanderzusetzen.